Herausforderungen im Lehrlingsrecruiting

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Jährlich beginnen über 30.000 junge Menschen in Österreich eine Lehre. Trotzdem sind derzeit rund 5.000 Lehrstellen nicht besetzt, vor allem im Westen Österreichs. Wo liegen die größten Herausforderungen im Lehrlingsrecruiting und wie erreicht man 2021 als Unternehmen relevante Kandidaten für eine offene Lehrstelle?

Herausforderungen im Lehrlingsrecruiting

Bei der Suche nach geeigneten Kandidaten für eine Lehrstelle oder Lehrausbildung gibt es drei zentrale Problemfelder für heimische Firmen. Regional und in bestimmten Branchen gibt es einen regelrechten Kampf um Auszubildende. Die drei Bereiche lauten daher wie folgt:

  • Wie und über welche Kanäle erreicht man potentielle Lehrlinge?

  • Regionales Missverhältnis: Offene Lehrstellen & Lehrstellensuchende

  • Wie findet man die richtige Person für eine Lehrstelle?

Das Lehrlingsrecruiting hat sich in den letzten zehn Jahren nicht sonderlich verändert. Es gab zwar Neuerungen im Bewerbungsmanagement, daneben haben sich Jobsuche beziehungsweise Bewerbung zu fast 100% auf online Kanäle verlagert, jedoch blieb der Kernprozess Bewerbung und Ansprache von Kandidaten relativ gleich. Sieht man sich hingegen das Mediennutzungsverhalten der jungen Generationen an, wird deutlich, dass sich in den letzten 10 Jahren vieles grundlegend verändert hat. In der Ansprache von Lehrlingen lohnt sich eine Neuausrichtung, die die Kommunikationspraxis der jungen Generationen berücksichtigt. 

1. Wie und über welche Kanäle erreicht man potentielle Lehrlinge?

Sieht man sich an, wie junge Menschen Medien nutzen, wird schnell deutlich, es dreht sich alles um zwei Themen: Das Smartphone und Social Media. Die Jahrgänge, die nach 2000 zur Welt kamen sind Digital Natives und das von klein auf - sie nutzen Social Media und das Smartphone täglich mehrere Stunden. Im DACH Raum haben fast 100% dieser Altersgruppe ein Smartphone. Angehende Lehrlinge drücken sich zunehmend in Posts, Status-Updates und Chats aus. Daher ist es nur verständlich, dass diese junge Generation auch über ihr Smartphone nach einer Ausbildung sucht und sich mobil bewerben will. Die Kommunikationspraxis von Lehrlingen hat sich in den letzten Jahren stark geändert, das muss berücksichtigt werden, damit Firmen in Zukunft auch weiterhin gute Kandidaten erreichen.
Im schlimmsten Fall werden Stellenanzeigen in Zeitungen nicht gesehen, oft fühlen sich geeignete Kandidaten von einer offenen Stellenausschreibung auch nicht angesprochen und bewerben sich erst gar nicht. Wenn der Bewerbungsprozess dann in Folge nicht dem Mediennutzungsverhalten der jungen Generationen entspricht, verliert man weitere Kandidaten.

  1. Regionales Missverhältnis: Offene Lehrstellen & Lehrstellensuchende?

Besonders im Westen Österreichs sind viele Lehrstellen nicht besetzt. Die meisten offenen Ausbildungsstellen verteilen sich auf Oberösterreich, Tirol und Salzburg. Angehende Lehrlinge sind auf Grund des Fachkräftemangels Profiteure am Arbeitsmarkt. Sie haben die Wahl und können sich ein passendes Unternehmen aussuchen. Besonders in den sogenannten Mangelberufen (vom Tourismus über Lehrstellen im technischen Bereich bis hin zum Maurer oder Dachdecker) fehlt es an potentiellen Lehrlingen. Unternehmen müssen sich daher als spannende Arbeitgeber positionieren und gute Ausbildungsplätze bieten. Oft hilft hier bereits ein Blick hinter die Kulissen beziehungsweise ein Gespräch auf Augenhöhe, um zu klären wie eine Zukunft im Unternehmen aussehen könnte. Das umfasst Gehaltsentwicklung genauso wie Fortbildungsmöglichkeiten und Rollen, die man im Unternehmen einnehmen kann.

Hingegen zeigt sich in vielen großen Städten, allen voran Wien, ein umgekehrtes Bild: Hier suchen deutlich mehr junge Leute nach Lehrstellen, in den urbanen Räumen fehlt es aber an offenen Stellen.
Auch in Deutschland ist ein ähnliches Phänomen zu beobachten, obwohl die Anzahl an Ausbildungsstellen seit mehreren Jahren zurückgegangen ist, bleiben potentielle Lehrlinge aus. 2019 konnten circa 60.000 Lehrstellen nicht besetzt werden. 

  1. Wie findet man die richtige Person für eine Lehrstelle?

Das Verhältnis am Arbeitsmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich gewandelt. Durch den demographischen Wandel und den Lehrlingsmangel wird es immer schwieriger die richtigen Kandidaten zu finden. Erschwerend kommt dazu, dass die Generationen, die jetzt auf den Arbeitsmarkt streben wechselbereit und dennoch auf außerberufliche Prioritäten bedacht sind. Als attraktiven Lehrlingsausbilder positionieren kann sich ein Unternehmen mit authentischen und emotionalen Inhalten, die über Social Media geteilt werden.

Mit verstaubten Bewerbungsprozessen, einem Motivationsschreiben in Briefform oder langen und mühsamen online-Formularen zur Bewerbung gewinnt man auch heute keine geeigneten Kandidaten mehr. Jobsuchende unter 20 Jahren wollen sich schnell am Smartphone bewerben und das ohne umständliche online Formulare und Datei-Uploads.

Was tun, um den richtigen Lehrling zu finden?

Ein erster Schritt für Firmen ist es Lehrlinge dort anzusprechen wo sie täglich Zeit verbringen - am Smartphone und auf Social Media. Hier trifft man potentielle Kandidaten nicht nur auf Ausbildungssuche, sondern genau da, wo sie auch gerne Zeit verbringen.

Social Media Plattformen bieten zudem die Möglichkeit, Lehrlinge aktiv und auf ihre Interessen abgestimmt, anzusprechen. Sollte sich ein Kandidat etwa für Autos interessieren? Dann kann das über Social Media Plattformen ganz einfach getrackt werden. Daneben können Zielgruppen etwa über das Alter oder den geographischen Ort eingegrenzt werden.

Nicht zuletzt muss die Mediennutzung der unter 20 Jährigen berücksichtigt werden: Diese verwenden oft keinen Desktop PC mehr, sondern nur noch ihr Smartphone. Ähnlich sieht es bei aktiven E Mail Accounts aus, viele aus der jungen Generationen haben zwar einen E Mail Account, nutzen diesen de facto eigentlich nicht. Demgegenüber hat heutzutage fast jeder WhatsApp oder nutzt ähnliche Instant-Chat-Apps täglich. Warum kann eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch also nicht über WhatsApp erfolgen?

Insgesamt gilt es, den gesamten Recruiting-Prozess an die neuen Realitäten der Mediennutzung und Kommunikationspraxis junger Menschen anzupassen. Blickt man zehn Jahre zurück, zeigt sich deutlich, wie stark sich diese Aspekte verändert haben. 

Zusammenfassung

In den letzten Jahren hat sich der Arbeitsmarkt nachhaltig verändert. Ein Wechselspiel verschiedener Faktoren wie demographischer Wandel oder Stadt-Land Flucht, haben neben technischen Neuerungen und der veränderten Kommunikationspraxis dazu geführt. 

Die Generation Z will dort erreicht werden, wo sie täglich Zeit verbringt - am Smartphone und auf Social Media. Der Trend, dass eine Bewerbung unkompliziert und der Kommunikationspraxis entsprechend für junge Bewerber erfolgen sollte, wird zukünftig immer wichtiger werden. Eine userfreundliche Bewerbung, im Idealfall selbsterklärend und intuitiv helfen, dass Kandidaten eine Bewerbung auch wirklich abschicken und Unternehmen ihre Traum-Lehrlinge auch in Zukunft finden.

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