Der Meister: Definition, Gründe & Perspektiven

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Aktualisiert: 16.03.2022 Lesedauer: ca 5min

Zwei Bauarbeiter

Eine Weiterbildung ist immer eine gute Möglichkeit die eigene Karriere voranzubringen. Im handwerklichen Bereich ist der Meister eine anerkannte und angesehene Option sich weiterzubilden. Besonders für Lehrlinge, die höhere Qualifikationen und Kenntnisse erlangen wollen, bietet sich der Meister gut an. Doch was ist ein Meister überhaupt? Welchen Abschluss brauchst du dafür? Und wie erlangst du den Meistertitel? Wir beantworten dir alle wichtigen Fragen und erklären dir, wann der Meister die richtige Wahl für dich ist. 

Was ist ein Meister? 

Die höchste Qualifizierung, welche du nach einem Lehrabschluss in Österreich erreichen kannst, ist der Meister. Um einen Meistertitel zu erlangen, musst du die Meisterprüfung positiv abschließen. Ein Meister ist eine berufliche Weiterbildung für Berufe, die zu den Handwerken zählen. Du brauchst aber nicht zwingend einen Lehrabschluss, um die Meisterprüfung zu absolvieren. In Österreich dürfen Personen, die über 18 Jahre alt sind, auch wenn sie keine fachlich spezifische Ausbildung haben, die Meisterprüfung ablegen. Da die Meisterprüfung jedoch sehr praxisorientiert ist, erleichtert ein Lehrabschluss oder ausreichend berufliche Erfahrung den Weg zum Meister. 

Welches Qualifikationsniveau hat ein Meister? 

In Europa wird der Meistertitel dem “Qualifikationsniveau 6” zugeordnet, welchem beispielsweise auch ein Bachelor angehört. Das heißt, dass der Meistertitel denselben Stellenwert wie ein Bachelor hat und genauso ein eintragungsfähiger Titel ist. Du kannst in offiziellen Dokumenten zum Beispiel den Titel “Mst.” oder  “Mst. in" angeben. 

Arten des Meisters

In Österreich wird zwischen dem gewerblichen Meister und dem Werkmeister unterschieden: 

Gewerbliche Meister 

Als gewerblicher Meister bist du nicht nur handwerklich bestens ausgebildet, sondern verfügst auch über eine kaufmännische Ausbildung, die dich zur selbstständigen Unternehmungsführung befähigt. Für einen gewerblichen Meister musst du die Meisterprüfung positiv abschließen und kannst dann den Meistertitel in offiziellen Dokumenten eintragen. 

Werkmeister

Als Werkmeister besuchst du eine Werkmeisterschule und wirst in zwei Jahren zu einer qualifizierten Führungskraft für verschiedene Gewerbe und Industrien ausgebildet. Dafür brauchst du eine Lehrausbildung in derselben oder in einer ähnlichen Fachrichtung. Der Unterschied zum gewerblichen Meister ist, dass Werkmeister keine große Meisterprüfung ablegen, sondern mehrere kleinere Prüfungen während der Ausbildung absolvieren. Da Werkmeister jedoch keine Meisterprüfung ablegen, dürfen sie nicht den Titel Meister in offiziellen Dokumenten angeben. 

Ist ein Meister notwendig für die Selbstständigkeit? 

Es kommt drauf an, ob du in einem freien oder reglementierten Gewerbe selbstständig werden möchtest. Für ein freies Gewerbe ist kein Meister notwendig, hier reicht eine Gewerbeanmeldung. Die Bundeseinheitliche Liste der freien Gewerbe gibt dir einen Überblick über alle freien Gewerbe in Österreich. 

Für reglementierte Gewerbe hingegen ist eine Meisterprüfung oder zumindest eine Befähigungsprüfung notwendig. Reglementierte Gewerbe sind ebenfalls genau dokumentiert und aufgelistet. 

Meisterprüfung

Möchtest du deine Meisterprüfung machen, ist der erste Schritt dich bei der Meisterprüfungsstelle deines Bundeslandes anzumelden. Dort erfährst du auch alle genauen Informationen zum Prüfungsablauf, den Kosten und vieles mehr. In den meisten Fällen besteht die Meisterprüfung aus fünf Modulen, die einzeln positiv absolviert werden müssen: 

  1. Projektorientierte fachliche praktische Prüfung

  2. Fachlich mündliche Prüfung

  3. Fachlich-theoretische schriftliche Prüfung

  4. Ausbilderprüfung

  5. Unternehmerprüfung

Was diese fünf Module beinhalten, erklären wir dir auch gleich: 

  1. Projektorientierte fachliche praktische Prüfung

Das projektorientierte Modul besteht aus zwei Teilen und zwar Teil A und Teil B. Teil A ist ein Nachweis deiner handwerklich-fachlichen Fertigkeiten, welcher aber entfällt, wenn du bereits eine positive Lehrabschlussprüfung hast. Teil B dreht sich rund um deine organisatorischen, planerischen, technischen und ausführenden Fertigkeiten. Oft sind Arbeitsproben oder Meisterstücke für dieses Modul vorzulegen. 

  1. Fachlich mündliche Prüfung

Die fachlich mündliche Prüfung besteht ebenfalls aus einem Teil A und einem Teil B. Für Teil A musst du deine Professionalität im fachorientierten Bereich unter Beweis stellen. Auch hier entfällt Teil A aber, wenn du bereits die Lehrabschlussprüfung absolviert hast. Teil B hingegen, beinhaltet eine Präsentation deiner Fertigkeiten im Qualitätsmanagement und Sicherheitsmanagement. Das ist meist ein Gespräch rund um deine Arbeitspraxis und wie du bist jetzt gearbeitet hast. 

  1. Fachlich-theoretische schriftliche Prüfung

Für dieses Modul musst du deine fachkundliches, planerisches, rechnerisches und kalkulatorisches Wissen in einer schriftlichen Prüfung beweisen. Falls du bereits ähnliche Prüfungen in deiner Lehrzeit absolviert hast, können diese angerechnet werden. 

  1. Ausbilderprüfung

Das vierte Modul ist die Ausbilderprüfung, welche das pädagogische und rechtliche Wissen für die Lehrlingsausbildung vermittelt. Die Ausbilderprüfung ist notwendig, wenn du selbst Lehrlinge im Betrieb ausbilden willst. Sie kann entfallen, wenn du bereits gleichzuhaltende Prüfungen oder Ausbildungskurse absolviert hast.

  1. Unternehmerprüfung

Bei der Unternehmerprüfung werden deine kaufmännischen Kenntnisse auf die Probe gestellt. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und mündlichen Teil. Du bist mit einer positiven Unternehmerprüfung dazu befähigt ein Handwerk selbständig auszuüben. Eine erfolgreich abgeschlossene Unternehmerprüfung kann die Ausbilderprüfung ersetzen und für andere Meister angerechnet werden. 

Dauer

Wie lange du für den Meister brauchst, kann ganz unterschiedlich sein und hängt davon ab, ob du eine Meisterschule bzw. Vorbereitungskurse absolvierst. Wenn du die Meisterschule in Vollzeit besuchst, wirst du ein bis zwei Jahre brauchen. Dafür besuchst du den Unterricht geblockt in mehreren Wochen. 

Bei Teilzeit Kursen findet der Unterricht meist am Wochenende statt und dauert daher voraussichtlich zwei bis drei Jahre. Genauere Angaben zur Dauer findest du bei der Meisterprüfungsstelle deines Bundeslandes. 

Gründe und Zukunftsaussichten

Doch was bringt dir ein Meister überhaupt, wenn er nicht immer notwendig für die Selbstständigkeit ist? Ein Meistertitel verleiht dir nicht nur ein höheres Qualifikationsniveau, sondern öffnet dir viele weitere Wege in deiner Karrierelaufbahn: 

Gütesiegel “Meisterbetrieb”

Ist dein Traum selbständig einen Betrieb zu führen, ist der Meister nicht immer notwendig aber auf jeden Fall vorteilhaft. Das Gütesiegel “Meisterbetrieb” verleiht deinem Betrieb mehr Qualität und schafft Vertrauen bei potenziellen Kunden. Auch der eintragungsfähige Meistertitel verschafft dir mehr Anerkennung und zeigt, dass berufliche Ausbildungen und  akademische Ausbildungen gleichgestellt sein können. 

Lehrberechtigung

Wenn du einen Meistertitel hast, bist du auch lehrberechtigt. Das bedeutet, dass du selbst Lehrlinge ausbilden darfst. Durch die Ausbilderprüfung, welche Teil der Meisterprüfung ist, bist du bestens vorbereitet Lehrlinge auszubilden. 

Höheres Gehalt

Dass der Meister das höchste Qualifikationsniveau für berufliche Ausbildungen ist, zeigt sich auch beim Gehalt. Dein genaues Gehalt hängt zwar davon ab für welches Handwerk du einen Meister hast, aber du kannst mit einem Durchschnittsgehalt von 40.000 Euro pro Jahr rechnen.

Kosten & Förderungen

Für den Meister solltest du mit Kosten rechnen. Wie hoch die Kosten sind kann jedoch je nach Branche und Institution stark variieren. Für die Ausbilderprüfung musst du laut der WKO mit € 110  rechnen und für die Unternehmensprüfung mit € 328. Hinzu kommen jegliche Materialkosten und Werkstattkosten. Die Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung sind meist kostenpflichtig, wobei die Kurskosten davon abhängen, ob du den Meister bei einer staatlichen oder öffentlichen Institution machst. Genau Kosten können wir dir nicht nennen, aber du solltest mit Beträgen von über 1000 Euro rechnen und kannst hier alle Prüfungen und Kurse vom Wifi sehen. 

Förderungen für den Meistertitel 

Förderungen sind eine Möglichkeit wie du Kosten, welche mit dem Meister verbunden sind, verringern kannst. Ob du für eine Förderung geeignet bist, hängt ganz davon ab für welche Förderungen du dich bewirbst. Es kann Förderungen vom Bund, dem Land, der EU oder der Gemeinde geben. Welche Arten der Förderung für dich in Frage kommen, kannst du bei der Meisterprüfungsstelle deines Bundes nachfragen. Du kannst auch auf der Website der Wirtschaftskammer nach Förderungen suchen. 

Fazit

Wie du siehst, ist der Meister eine gute Alternative, um dich in Österreich weiterzubilden. Besonders wenn du selbstständig werden willst, wird dir ein Meister ein höheres Ansehen verleihen. Innerhalb von ein bis drei Jahren kannst du dich effizient auf die Meisterprüfung vorbereiten und am Ende mit der Erlangung des Meistertitels eine neue Karrierestufe erreichen.  

Xheva (ausgesprochen: Tschewa, you're welcome) studiert, wenn sie nicht gerade in Bücherwelten und Tagträumen versinkt, Kommunikationswirtschaft. Für die hokify Karriere-Tipps befasst sie sich hauptsächlich mit den Themen Lehre, Ausbildung und Bewerbung. Damit du bei der Jobsuche nicht so sehr verzweifelst wie sie, hat sie alle Tipps und Insiderinfos für dich, die sie auch gerne am Anfang gehabt hätte.

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