Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

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Aktualisiert: 23.06.2022 Lesedauer: ca 4min

Mann greift Frau ungewollt an die Schulter

Auch am Arbeitsplatz sind Personen, besonders Frauen, oft von sexueller Belästigung betroffen. Dadurch, dass sexuelle Belästigung und Diskriminierung für viele noch ein Tabuthema darstellt, ist es für Opfer sexueller Belästigung oft schwer, darüber zu reden und sich zu wehren. Sexuelle Belästigung beginnt nicht nur bei körperlichen Handlungen, sondern viel früher - unangebrachte sexuelle Kommentare, Blicke oder unerwünschte Nachrichten sind schon Anzeichen sexueller Belästigung. Wir zeigen dir, was alles unter sexuelle Belästigung fällt, welche Rechte du hast und wo du Unterstützung erhalten kannst.

Was ist sexuelle Belästigung?

Sexuelle Belästigung kann in verschiedenen Formen auftreten und bezeichnet nicht nur unerwünschte körperliche Belästigungen, sondern auch viele verbale und non-verbale Äußerungen und Handlungen. Das Gesetz sagt, dass jede Handlung, die von einer Person unerwünscht ist, ihre Würde beeinträchtigt und als sexuelle Belästigung empfunden wird, auch als sexuelle Belästigung zu verstehen ist. Das bedeutet, dass nicht der Täter, Zeuginnen oder jemand Anderes entscheidet, was sexuelle Belästigung ist, sondern immer das Opfer selbst. Sexuelle Belästigung hat je nach Person und Situation unterschiedliche Erscheinungsformen und kann von einem unangebrachten sexuellen Kommentar hin zu handgreiflichen Übergriffen variieren. Grundsätzlich kann man aber zwischen verbaler, körperlicher und allen anderen Formen der non-verbalen Belästigung unterscheiden:

Verbale sexuelle Belästigung

Unter verbale sexuelle Belästigung fallen alle sexuellen Äußerungen, Sprüche und Bemerkungen die für eine Person unerwünscht sind. Das können einerseits anzügliche Witze oder Hinterherpfeifen am Arbeitsplatz sein, aber auch Versprechen oder Erpressung von beruflichen Vor- und Nachteilen im Gegenzug für sexuelle Handlungen, unerwünschte Einladungen mit einer sexuellen Absicht oder explizite Aufforderungen und Drohungen zu sexuellen Handlungen.

#hokifyerklärt: Übrigens zählen zu den unerlaubten Fragen im Vorstellungsgespräch, auch sexuelle Kommentare und Anmerkungen.

Körperliche sexuelle Belästigung

Auch unerwünschte sexuelle Handlungen körperlicher Natur sind sexuelle Belästigung. Das können Körperberührungen aller Art sein - wie Po-Klapsen, unerwünschte Berührungen, Streicheleien, Küsse oder andere sexuelle Berührungen. 

Non-verbale sexuelle Belästigung

Neben verbaler und körperlicher sexueller Belästigung, gibt es aber noch viele andere Arten der sexuellen Belästigung. Beispiele für non-verbale sexuelle Belästigung sind unter anderem pornografische Bilder am Arbeitsplatz und E-Mails oder SMS mit sexuellen Inhalten oder Fotos. 

Gesetze bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Gesetzlich gesehen gilt sexuelle Belästigung als Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und fällt unter das Gleichbehandlungsgesetz, welches sexuelle Diskriminierung verbietet. Es kann sowohl rechtliche Folgen für die Belästigenden als auch für Arbeitgeberinnen, die ihre Arbeitnehmerinnen nicht gegen sexuelle Belästigung schützen, geben. 

Strafrechtlich gesehen liegt sexuelle Belästigung bei geschlechtlichen Handlungen wie z.B. unangebrachte Berührungen vor, reine verbale Äußerungen gelten aber noch nicht als Straftatbestand. 

Rechtliche Folgen bei sexueller Belästigung

Es gibt allgemeine Regelungen für alle EU-Bürgerinnen in Österreich, die besagen, dass bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz das jedes Opfer einen Anspruch auf angemessenen Schadensersatz hat. Dieser Schadensersatz muss mindestens 1.000€ betragen. Schadensersatz kann nicht nur vom Täter verlangt werden, sondern auch von Arbeitgeberinnen, die schuldhaft sind wenn sie z.B. keine Hilfe geleistet haben.

#hokifyerklärt: Wichtig zu beachten ist, dass es für die Geltendmachung des Schadensersatzanspruchs eine Frist von drei Jahren gibt. Du kannst dich bei dem zuständigen Arbeits- und Sozialgericht oder als Beamtin bei der zuständigen Dienstbehörde darüber erkundigen. 

Wie kann ich mich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wehren?

Sexuelle Belästigung und Diskriminierung ist auf Dauer mental belastend und nicht leicht. Wichtig ist, dass du dich und deine mentale und körperliche Gesundheit in den Vordergrund stellst und nicht aufgibst. Erstmal ist es wichtig, dass du ausdrücklich klar machst, dass du nicht mit den Handlungen und Äußerungen einverstanden bist und die Person diese unterlassen soll. Dieser Schritt ist aber oft nicht so einfach, da viele andere Faktoren wie Machtverhältnisse oder Abhängigkeiten am Arbeitsplatz nicht leicht zu ignorieren sind. Sprich mit einer Person deines Vertrauens und wende dich auch an deinen Betriebsrat oder eine HR-Abteilung, falls diese im Unternehmen existiert. Führe außerdem immer Protokoll - schreibe dir genau auf wann die Person welche Handlungen macht und sichere dir so Beweise. Ein weitere Hilfsstütze können oft Kolleginnen sein - gibt es Kolleginnen, denen du vertraust oder sogar Zeuginnen, die aussagen können? Auch deine Vorgesetzten sind eine Option, da sie gesetzlich dazu verpflichtet sind, dich zu beschützen und eine Fürsorgepflicht haben. Falls die sexuelle Belästigung von deinen Vorgesetzen ausgeht, kannst du dich an die Arbeiterkammer und andere Hilfsstellen wenden. 

Beratung und Hilfe bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Nach Hilfe zu suchen kann eine große Überwindung sein. In Österreich gibt es aber viele unterschiedliche Organisationen, bei denen du Hilfe und Unterstützungen erhältst. Einerseits kannst du dir therapeutische Hilfe suchen, wie sie zum Beispiel von Frauenberatungsstellen oft kostenlos angeboten wird. Rechtliche Unterstützung kannst du bei Anwältinnen für Gleichbehandlung, der Arbeiterkammer, Frauenabteilungen des österreichischen Gewerkschaftsbundes und mehr holen.

Mögliche Anlaufstellen für Beratung und Hilfe bei sexueller Belästigung sind: 

Kostenfreie und vertrauliche Beratung - in unterschiedlichen Sprachen möglich. 

Beratung und Unterstützung ist auch bei jeder Arbeiterkammerstelle in deinem Bundesland möglich.  

In jedem Bundesland gibt es unterschiedliche Frauenberatungsstellen an die du dich wenden kannst. 

Kostenlose und auf Wunsch anonyme Telefonberatung für Betroffene von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

Wie kann ich als außenstehende Person bei sexueller Belästigung helfen?

Wenn du mitbekommst, dass jemand in deinem Arbeitsumfeld sexuell belästigt wird und sich offensichtlich unwohl fühlt, ist es wichtig, dass du nicht einfach darüber hinweg siehst, sondern so gut es geht hilfst. Dabei ist es wichtig, dass du der Person zeigst, dass sie dir vertrauen kann und du ihr zwar Hilfe anbieten willst, sie diese aber nicht annehmen muss, falls sie das nicht will. Du kannst eine Vertrauensstütze sein und der Person zur Seite stehen, entweder indem du zuhörst oder ihr hilfst, weitere Schritte und Maßnahmen einzuleiten und als Zeugin aussagst. 

Du kannst helfen indem du: 

  • Der Person zuhörst

  • Der Person Hilfe anbietest

  • Bereit bist, als Zeugin auszusagen

  • Die Person ermutigst und unterstützt, professionelle Beratung und Unterstützung zu suchen

Fazit

Sexuelle Belästigungen können verschiedene Formen annehmen und sind kein Grund zur Scham für das Opfer. Verschiedene Organisationen und Einrichtungen bieten dir unterschiedliche Hilfsmöglichkeiten, die du jederzeit in Anspruch nehmen kannst und solltest. Dein Arbeitsplatz sollte ein sicherer Ort sein, an dem du dich wohlfühlst und sowohl deine physische als auch psychische Gesundheit sind dabei das Wichtigste. 

Xheva (ausgesprochen: Tschewa, you're welcome) studiert, wenn sie nicht gerade in Bücherwelten und Tagträumen versinkt, Kommunikationswirtschaft. Für die hokify Karriere-Tipps befasst sie sich hauptsächlich mit den Themen Lehre, Ausbildung und Bewerbung. Damit du bei der Jobsuche nicht so sehr verzweifelst wie sie, hat sie alle Tipps und Insiderinfos für dich, die sie auch gerne am Anfang gehabt hätte.

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