Verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch

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Aktualisiert: 15.06.2022 Lesedauer: ca 4min

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Es ist Teil jedes Bewerbungsprozesses: das Vorstellungsgespräch. Im Bewerbungsgespräch sollten sich Bewerberin und Unternehmen kennenlernen - manche Dinge sind aber tabu! Es gibt einige verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch, die vom Arbeitgeber nicht gestellt werden dürfen. In dem Fall ist es auch erlaubt, die Fragen nicht zu beantworten oder sogar zu lügen. Warum manche Fragen im Vorstellungsgespräch unzulässig sind, welche Fragen nicht erlaubt sind und wie du dich am besten auf solche Fragen im Vorstellungsgespräch vorbereitest, zeigen wir dir in diesem Artikel. 

Warum sind gewisse Fragen im Vorstellungsgespräch verboten?

Generell hat der Arbeitgeber ein Fragerecht in Vorstellungsgesprächen. Es dürfen also Fragen gestellt werden, um die Kandidatinnen besser kennenzulernen. Diskriminierung ist im beruflichen Bereich jedoch verboten. Deshalb muss auch der Bewerbungsprozess diskriminierungsfrei und fair für alle Bewerberinnen ablaufen. Manche Fragen können aber dazu führen, dass Nachteile für Kandidatinnen entstehen - entweder durch unbewusste Diskriminierung oder weil Arbeitgeber sie aufgrund dessen als weniger arbeitsfähig einstufen. Deswegen sind genau diese Fragen während eines Vorstellungsgesprächs nicht erlaubt.

Welche Fragen sind im Vorstellungsgespräch verboten?

Prinzipiell sind alle Fragen verboten, die dazu führen könnten, dass Kandidatinnen diskriminiert werden. Das inkludiert Fragen zu: 

  • Ethnischer Herkunft

  • Sexueller Orientierung

  • Partnerschaft und Familienplanung

  • Vermögen und finanzieller Situation

  • Mitgliedschaft bei Parteien oder Gewerkschaften

  • Religion und Weltanschauung 

  • Gesundheit und Erkrankungen 

  • Vorstrafen

Ausnahme sind Bereiche, in denen diese Aspekte die Arbeit direkt beeinflussen, beispielsweise die Religionszugehörigkeit bei einem Job in der Kirche oder die körperliche Gesundheit bei einem körperlich anstrengenden Job bzw. einem Job im Gesundheitssystem, bei dem beispielsweise höhere Ansteckung oder ein höheres Risiko besteht. Aber auch dann darf nur nach diesem bestimmten Aspekt gefragt werden und nicht nach der generellen Situation. 

Darf ich im Vorstellungsgespräch lügen?

Betrifft die Frage deine Eignung für den Job, solltest du nicht lügen. Das kann im Extremfall sogar rechtliche Konsequenzen haben: hast du beispielsweise angegeben, einen Abschluss zu haben, den du eigentlich nicht hast, kann dein Arbeitgeber dich sogar kündigen, weil du ihn getäuscht hast. Das geht theoretisch auch noch Jahre nach dem Vorstellungsgespräch. 

Bei Fragen, die keine Relevanz zu deinem Job haben oder gar unzulässig sind, darfst du auch lügen. Du solltest dir jedoch gut überlegen, ob du das wirklich möchtest, denn selbst wenn es keine gesetzlichen Konsequenzen hat, riskierst du einen Vertrauensbruch mit deinem potenziellen Arbeitgeber, sollte dieser in Zukunft hinter deine Lüge kommen. 

Wie kann ich regieren?

Wie bereitest du dich nun also am besten auf solche Fragen vor? Generell gilt: du musst nicht auf solche Fragen antworten und darfst auch lügen, wenn du trotzdem darauf antwortest. Der Arbeitgeber hat bei verbotenen Fragen kein Recht auf eine ehrliche Antwort und kann dementsprechend auch nicht deinen Vertrag wegen Täuschung oder Ähnlichem anfechten. Außerdem sagen solche Fragen mehr über den Arbeitgeber aus, als über dich - vielleicht solltest du nochmal überdenken, ob du tatsächlich in diesem Unternehmen arbeiten möchtest, wenn schon im Vorstellungsgespräch diskriminierende Fragen gestellt werden. 

#hokifyexpertentipp: Es gibt auch andere Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch oft aufkommen. Deswegen solltest du dich auf jeden Fall auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten und ein paar Dinge über das Unternehmen, bei dem du dich bewirbst, recherchieren.

Trotzdem ist es natürlich schwierig, auf unangenehme und verbotene Fragen zu reagieren. Meistens bist du ja trotzdem an dem Job interessiert und möchtest einen guten Eindruck hinterlassen. In erster Linie solltest du ruhig bleiben, dir kurz Zeit nehmen um über deine Optionen nachzudenken und dann höflich und professionell antworten. Dabei hast du mehrere Möglichkeiten: 

  • Nicht antworten: Du weist deinen Gesprächspartner ruhig und sachlich darauf hin, dass diese Frage unzulässig ist und du deswegen nicht darauf antworten möchtest. Alternativ kannst du das auch auf humorvolle Art und Weise tun oder eine schlagfertige Antwort geben. 

  • Ehrlich antworten: Du gibst eine ehrliche Antwort auf die Frage.

  • Unehrlich antworten: Du erfindest eine Lüge.

Wofür du dich entscheidest, liegt schlussendlich bei dir und daran, womit du dich wohlfühlst. 

Beispiele und Antworten für unzulässige Fragen

Im Folgenden haben wir ein paar verschiedene Reaktionen und Antworten auf unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch gesammelt, um dir bei deiner Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch zu helfen: 

Haben Sie vor, in nächster Zeit Kinder zu bekommen?

  • “Nein, habe ich nicht. Meine Karriere steht an erster Stelle.” (auch, wenn das so vielleicht nicht stimmt - Lügen ist in diesem Fall, rechtlich gesehen, in Ordnung!) 

  • “Ich bezweifle, dass meine Familienplanung relevant für die ausgeschriebene Stelle ist. Dementsprechend sehe ich um ehrlich zu sein keine Notwendigkeit, dieses sehr persönliche Thema mit Ihnen zu besprechen.” (Klar und direkt darauf hinweisen, dass das keine relevante Information ist)

  • “Oh, ist das eine Voraussetzung für den Job? Das habe ich wohl überlesen!” (so weist du humorvoll darauf hin, dass diese Frage nicht relevant für den Job ist) 

  • “Ja, in ein paar Jahren kann ich mir das durchaus vorstellen” (ehrlich antworten)

#hokifyerklärt: Von dieser Frage sind im Normalfall Frauen und weiblich gelesene Personen betroffen. Es geht dabei oft darum, dass diese während der Schwangerschaft und Karenz für den Arbeitgeber ausfallen und deswegen vielleicht Personen vorgezogen werden, die nicht vorhaben, schwanger zu werden oder dies nicht können (aka Männer und männlich gelesene Personen). 

Sind Sie religiös?

  • “Inwieweit beeinflusst meine religiöse Gesinnung meine Eignung für den Job?” (Infragestellen der Frage selbst, Hinweis darauf, dass es nicht relevant ist) 

  • “Nein.” / “Ja.” (Kurz und simpel antworten) 

  • “Das kommt darauf an - zählt Fußballteam XY als Religion?” (mit Humor der Frage ausweichen, gleichzeitig aber ein bisschen was von sich preisgeben) 

Haben Sie Schulden oder finanzielle Schwierigkeiten?

Achtung: Bewirbst du dich für einen Job mit hoher finanzieller Verantwortung (z.B. Banker) musst du diese Frage ehrlich beantworten, weil es relevant für den Job ist. 

  • “Natürlich nicht” (Ehrlich antworten oder lügen) 

  • “Nachdem der ausgeschriebene Job keine finanzielle Verantwortung trägt, ist diese Frage nicht relevant für meine Eignung für die Stelle. Deswegen möchte ich darauf eigentlich nicht antworten.” (Ehrlich darauf hinweisen, dass die Frage unerlaubt ist) 

  • “Ich schulde meiner Schwester noch eine Erklärung dafür, wie ihr Tagebuch vor 15 Jahren verschwunden ist, aber ansonsten bin ich schuldenfrei…” (humorvolles Ausweichen) 

Sind Sie gegen Corona geimpft?

Achtung: Arbeitest du mit vulnerablen Personengruppen (z.B. im Gesundheitsbereich), musst du diese Frage ehrlich beantworten, weil es relevant für den Job ist!

  • “Ja natürlich” / “Nein, bin ich nicht” (ehrlich antworten oder lügen)

  • “Mein Impfstatus hat mit dem Job Nichts zu tun, dementsprechend möchte ich diese Frage nicht beantworten.” (Hinweis auf unerlaubte Frage) 

  • “Bietet das Unternehmen denn die Möglichkeit, mich impfen zu lassen? Welche anderen gesundheitlichen Benefits bieten Sie an?” (Frage zum Unternehmen zurücklenken)

Fazit

Fragen, deren Antwort dir eine Benachteiligung oder diskriminierende Behandlung einbringen können, sind im Bewerbungsgespräch verboten. Das inkludiert alle Fragen zu Familienstand und -planung, ethnischer Herkunft, Religion und Weltanschauung und ähnliche Themen. Prinzipiell musst du unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch nicht wahrheitsgemäß beantworten. Wenn dir ein Thema unangenehm ist, kannst du dein Gegenüber immer höflich und ruhig darauf hinweisen. Je nach Gesprächsatmosphäre und -kultur kannst du auch versuchen, der Frage mit Humor auszuweichen oder sie in eine Gegenfrage zum Unternehmen zu lenken. 

Julia ist gut darin, die Schwerkraft auszutricksen und schlecht darin, Zimmerpflanzen am Leben zu halten. Ihre Leidenschaft für Sprache hat sie über die Tourismusindustrie zur Kommunikationsbranche geführt, wo sie derzeit ihr Masterstudium absolviert. In den hokify Karriere-Tipps versorgt sie dich regelmäßig mit den wichtigsten Tipps, Tricks und Infos rund um den Arbeitsalltag (inklusive dessen rechtlichen Regelungen) und den Arbeitsmarkt, damit du hoffentlich informierter in dein Berufsleben startest, als sie es anfangs war.

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung von männlichen und weiblichen Sprachformen verzichtet. Alle Personenbezeichnungen sind dementsprechend geschlechtsneutral zu verstehen.

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