Coronavirus und Kurzarbeit – Alles, was du wissen solltest

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Das Bangen um das Coronavirus geht weiter. Mittlerweile wurden in Österreich alle Restaurants vorübergehend geschlossen und der Flugbetrieb wurde größtenteils eingestellt. Österreich steht mehr oder weniger still. Doch auch wenn unsere Straßen so gut wie leergefegt sind, wird im Hintergrund noch weiter fleißig gearbeitet. Doch viele kleine und mittelgroße Betrieben muss sich der damit verbundenen finanziellen Belastung stellen. So hört man in den Medien immer häufiger von der so genannten „Kurzarbeitszeit“. Was bedeutet das genau und was kommt auf mich zu, wenn mein Chef mich in die Kurzarbeit schickt? Mehr dazu in diesem Artikel.

Was ist Kurzarbeitszeit und welche Regelungen gelten während der Corona-Krise?


Laut der Arbeiterkammer Österreich spricht man von Kurzarbeitszeit, wenn „in einem Betrieb die Arbeitszeit zeitlich begrenzt herabgesetzt wird, um wirtschaftliche Störungen zu überbrücken.“

Was bedeutet das konkret: Sollte der Arbeitgeber in finanzielle Not geraten, können Arbeitsverträge so angepasst werden, dass man nur noch für einen Bruchteil der Arbeitszeit arbeiten darf. Das Ganze soll aber keine Strafe sein, sondern dient dazu, den Arbeitnehmer vor einer sonst notwendigen Kündigung zu schützen.

Um der Corona-Krise Herr zu werden konnten sich nun die Sozialpartner auf ein angepasstes Kurzarbeitsmodell einigen. Dieses Corona-Paket beinhalten unter anderem folgende außerordentliche Maßnahmen (Stand 17.3.2020 – 17:00 Uhr):

  • Die Maximaldauer der Kurzarbeitszeit beträgt 3 Monate, diese kann aber bei Bedarf um weitere 3 Monate verlängert werden.
  • Bei Kurzarbeitszeit kann die Arbeitszeit auf bis zu null Stunden herabgesetzt werden.
  • Das Dienstverhältnis bleibt dabei aufrecht.
  • Das Modell sieht einen fast vollständigen Lohnausgleich vor, abhängig vom regulären Einkommen.
  • Die Lohnnebenkosten werden zu einem erheblichen Teil vom Arbeitsmarktservice AMS übernommen.

Für dich bedeutet das, dass du weiterhin in einem geregelten Arbeitsverhältnis bleibst und die Differenz des Lohns vom Staat größtenteils ersetzt wird (aber dazu gleich mehr).

Derzeit werden noch die letzten Details zum neuen Modell im AMS ausgearbeitet, es kann also noch zu Änderungen kommen. Sobald alle Details geklärt sind, gibt es genauere Informationen auf https://jobundcorona.at/

Für persönliche Beratungen kann man sich bei der AK/ÖGB Hotline unter 0800 22 12 00 80 melden.

Muss ich bei der neuen Regelung mit weniger Gehalt rechnen?


Ja. Aber das klingt schlimmer, als es tatsächlich ist. Ähnlich wie bei der Steuerprogression kommt es hier darauf an, wie hoch das tatsächliche Gehalt (also bei einer regulären Arbeitszeit) ist. Wie viel man jetzt tatsächlich bekommt, hängt vom Nettoentgelt vor der Kurzarbeit ab. Die Nettoersatzrate gibt an, wieviel Geld erstattet wird. Hier kommt es jetzt auf das reguläre Bruttogehalt an, wie viel Geld vom Staat letztendlich erstattet wird:
  • 80% Nettoersatzrate bei einem regulären Bruttogehalt ab 2.685€ 
  • 85% Nettoersatzrate bei einem regulären Bruttogehalt zwischen 1.700€ und 2.685€
  • 90% Nettoersatzrate bei einem regulären Bruttogehalt unter 1.700€
  • Lehrlinge bekommen das volle Gehalt erstattet
  • Ab einem Gehalt von 5.370€ Brutto erhält man keine Beihilfe

Man kann also kurz sagen, dass man einen Großteil des regulären Gehaltes ersetzt bekommt, allerdings muss man als Arbeitnehmer dennoch mit weniger Geld am Monatsende rechnen.

Was passiert bei Kurzarbeit mit meinem Urlaubsanspruch?


Wer jetzt in Kurzarbeit geschickt muss sich keine Sorgen machen: Arbeitgeber können den Verbrauch von altem Urlaub und Zeitguthaben verlangen, jedoch nicht einseitig anordnen. Wer allerdings seinen Urlaub in dieser Zeit nutzt, erhält das volle Gehalt erstattet. In Betrieben mit Betriebsrat muss der Urlaubsverbrauch über eine Betriebsvereinbarung geregelt werden. Was den regulären Urlaubsverbrauch angeht, schreibt die Arbeiterkammer:

"Selbstverständlich ist das möglich. Die meisten Vereinbarungen sehen vor, dass während des Urlaubs das volle Entgelt bezahlt wird, als ob es keine Kurzarbeit gäbe. Nicht möglich ist es aber, nur an jenen Tagen Urlaubstage zu konsumieren, während derer gearbeitet wird, und für die Tage, an denen die Arbeit ausfällt, nicht. Mit z. B. drei Urlaubstagen eine ganze Woche frei zu bekommen ist also nicht möglich."

Fazit

Vorgeschriebene Kurzarbeit kann für viele Arbeitnehmer vor allem während der Corona-Krise beängstigend sein. Man macht sich Sorgen um die Sicherheit des Arbeitsplatzes und die damit verbundene finanzielle Absicherung. Doch dank unserer Regierung, der Sozialpartner und der Arbeiterkammer wurde hier eine Lösung gefunden, die Arbeitgeber und -nehmer gleichermaßen entlastet. 

Nochmal – bekommt man Kurzarbeit vorgeschrieben soll das keinesfalls als Bedrohung des Arbeitsplatzes gesehen werden. Ganz im Gegenteil – es soll eine Absicherung des Arbeitsplatzes darstellen. Firmen können dadurch entlastet werden und mit der aktuellen Regelung des AMS und der Sozialpartner bekommt man einen Großteil des dadurch verlorenen Gehalts ersetzt.

Wer sich allerdings noch unsicher ist oder Fragen hat, sollte das unbedingt mit seinem Vorgesetzten klären. 

Auch nicht schlecht:

https://hokify.at/a/coronavirus-und-arbeitsrecht

https://www.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/arbeitundsoziales/arbeitszeit/Neues_Kurzarbeitsmodell.html

https://jobundcorona.at/


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