Insiderwissen: Was bedeutet Inflation?

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Aktualisiert: 04.02.2022 Lesedauer: ca 3min

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Der Anstieg der Preise im Euro-Raum reißt nicht ab. Auch im Jahr 2022 wird die Inflation weiter steigen. Doch was bedeuten Inflation, Teuerung und Preissteigerung eigentlich? Unter Inflation versteht man im Allgemeinen das Steigen der Preise von Waren und Dienstleistungen. In Abgrenzung zur Preiserhöhung einzelner Produkte auf Grund von Lieferschwierigkeiten oder Ähnlichem. Durch die Preissteigerung sinkt mit der Zeit der Wert einer Währung mit der Waren und Dienstleistungen gekauft werden. 

Definition: Inflation

“Eine Inflation ist ein Prozess anhaltender Preisniveausteigerungen, die über eine gewisse Marge hinausgehen.” (Gabler Wirtschaftslexikon) Damit verbunden ist ein Sinken der Kaufkraft über die Zeit. Vereinfacht gesagt: Heute kann mit demselben Geldbetrag weniger gekauft werden als gestern. Währungen wie der Euro oder US-Dollar erfahren mit der Zeit daher einen realen Wertverlust gegenüber bestimmten Waren, Produkten und Dienstleistungen. Die Berechnung des durchschnittlichen Preisanstiegs wird mit einem fiktiven Warenkorb berechnet, in dem die enthaltenen Produkte verschieden stark gewichtet sind. 

Dem gegenüber steht die Deflation und damit der Rückgang des Preisniveaus einer Ökonomie. Unter Expertinnen herrscht Konsens, dass eine sehr hohe Inflationsrate sowie eine Deflation schädlich für die Ökonomie sind. Mehr dazu in unserem Artikel “Insiderwissen: Was bedeutet Rezession”.

Inflationsberechnung: Der Warenkorb

Der fiktive Warenkorb zur Inflationsbestimmung ist aufgeschlüsselt nach Waren und Dienstleistungen, die in einem privaten Haushalt konsumiert werden. Bestimmten Produkten, wie Energie und Lebensmittel wird eine andere Gewichtung beigemessen als Produkten, die im Alltag und in den Haushaltsbudgets eine kleinere Rolle spielen. Damit sollen die unterschiedlichen Kaufgewohnheiten von Haushalten besser berücksichtigt werden. 

Unterteilen kann man den Warenkorb zur Berechnung der Inflationsrate in drei Gruppen:

Alltagsprodukte

z.B.: Lebensmittel, Energie, Zeitungen

Gebrauchsgüter

z.B.: Bekleidung, Computer/Smartphone, Waschmaschine

Dienstleistungen

z.B.: Miete, Versicherungen, Friseur, Gastronomie

Inflationstreiber

Die genauen Faktoren, die die Inflationsrate in die Höhe treiben, sind nicht immer klar feststellbar. Dazu kommt, dass die Produkte, die zur Berechnung der Inflation herangezogen werden, verschieden stark gewichtet sind und nur einen nationalen Durchschnitt widerspiegeln. Steigen die Preise für Produkte des täglichen Bedarfs markant an (z.B. Lebensmittel oder Wohnen), hat das einen größeren Einfluss auf die Preissteigerung, als eine Preissteigerung für Restaurantbesuche oder Smartphones, da diese Faktoren im Alltag keine so große Rolle spielen.

Im Frühjahr 2022 sind die größten Treiber der Inflation im Euroraum die Energiepreise. Diese sind im Vergleich zum Vorjahr um über 20% gestiegen. Dazu sind die Kosten für Restaurantbesuche und Transport höher gestiegen als in den Jahren zuvor.

Waren- und Dienstleistungsgruppen im Inflations-Warenkorb:

  • Lebensmittel & alkoholfreie Getränke

  • Alkoholische Getränke & Tabakwaren

  • Bekleidung & Schuhe

  • Wohnen, Wasser & Energie

  • Hausrat & laufende Haushaltsführung

  • Gesundheit

  • Verkehr & Transport

  • Kommunikation

  • Freizeit & Kultur

  • Bildung

  • Restaurants & Hotels

  • Sonstige Waren & Dienstleistungen (Versicherungen, Finanzdienstleistungen, etc.)

Gefühlte Inflation - Auswirkungen im Alltag

Bei der Inflation handelt es sich um einen (meist national berechneten) Durchschnittswert: Je nach persönlichem Konsumverhalten und Lebenssituation wird die Inflation unterschiedlich stark wahrgenommen. Haushalte, die mehr Budget zur Verfügung haben als Andere, geben für bestimmte Waren und Dienstleistungen im Verhältnis mehr Geld aus, als Haushalte denen weniger Budget zur Verfügung steht. Die Haushaltsführung einer Studenten WG unterscheidet sich sehr stark von der Lebenssituation einer Jungfamilie und damit die Wahrnehmung der Inflation. Dazu werden Preisänderungen bei Anschaffungen und Käufen, regelmäßig getätigt werden, stärker wahrgenommen.

Beispiel: Steigt der Benzinpreis stark an so nehmen Haushalte, die viel mit dem Auto fahren, die Inflationsrate höher wahr, als Haushalte, die täglich das Fahrrad nutzen. 

Arbeitsmarkt und Inflation

Auch auf den Arbeitsmarkt und die Löhne hat die Inflation einen Einfluss: Wenn die Löhne nicht durch Lohnverhandlungen an die Inflation angepasst werden, geht reale Kaufkraft verloren. Das drückt wiederum die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Lohn-Preis-Spirale, einem Effekt der durch Lohnerhöhungen zu Preiserhöhungen führt und vice-versa. Es findet also eine andauernde Anpassungsreaktion statt, die zu einer höheren Inflation führt. Steigende Löhne können dazu Indikator für eine starke Konjunktur sein.

Dazu gab es in den 60er und 70ern eine Debatte um die Ansicht, dass mit einer “hohen” Inflation mehr Jobs entstehen. Diese wirtschaftspolitische Diskussion wird auch heute noch geführt. Dem entgegen steht die Ansicht, dass eine “natürliche Rate der Arbeitslosigkeit” existiert, die sich durch Inflation/Geldpolitik nicht dauerhaft unterschreiten lassen.

Fazit

Inflation wirkt auf den ersten Blick kompliziert, bedeutet aber eigentlich nur, dass die Preise für Dienstleistungen und Produkte kontinuierlich steigen. Dadurch sinkt auf lange Sicht der Wert einer Währung, weil mit demselben Geldbetrag weniger Produkte und Dienstleistungen gekauft werden können (=Kaufkraft). Die Inflation wird mittels eines fiktiven Warenkorbs berechnet und doch aufgrund von unterschiedlichen Lebenssituationen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Meistens ist es jedoch nicht möglich, die genauen Faktoren der Inflation eindeutig zu identifizieren. Auch auf den Arbeitsmarkt hat die Inflation einen großen Einfluss, da höhere Löhne über die Lohn-Preis-Spirale zu Preiserhöhungen führen. 



Genug gelesen? Hier findest du das Wichtigste nochmal in einem Video zusammengefasst:

Sebastian ist gelernter Historiker, mag Yoga & Hiphop und arbeitet seit 2018 bei hokify. Wichtige Informationen verständlich auf den Punkt zu bringen ist seine Stärke. Als Team Lead der Karriere-Tipps und PR Manager bei hokify beschäftigt sich Sebastian besonders mit Karriere- & Arbeitsmarktthemen, Fachkräftemangel sowie Lehrlings- & Social Media Recruiting. Dazu versorgt er Jobsuchende mit Tipps zu Bewerbung, Lebenslauf und Jobsuche.

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