Krank zur Arbeit? Das solltest du bedenken

von Julia Gerstmayer

Aktualisiert: 13.12.2022 Lesedauer: ca 3min

Mann ist krank bei der Arbeit im Lager

Du wachst auf und die ersten Grippe Symptome machen sich bemerkbar: Halskratzen, Husten, verstopfte Nase. Solltest du mit einer Erkältung arbeiten gehen? Krank in die Arbeit oder doch lieber Krankschreibung und Krankenstand? Die Entscheidung, ob du gesund genug bist, um zur Arbeit zu gehen, liegt letzten Endes immer bei dir. Dabei solltest du die folgenden Punkte beachten, wenn du dich entscheiden musst, ob du krank arbeiten gehen willst.  

Ansteckungsgefahr

Oft kommen Arbeitnehmerinnen krank zur Arbeit, um wichtige Termine wahrzunehmen oder ihre Kolleginnen nicht zusätzlich zu belasten. Oft passiert jedoch genau das Gegenteil: Statt deinen Kolleginnen zu helfen, steckst du sie bei der Arbeit mit deiner Krankheit an. Dasselbe gilt auch für Kundinnen, Patientinnen oder Partnerinnen, denn gehst du krank arbeiten, setzt du sie dem Risiko aus, sich ebenfalls anzustecken. Besonders wenn du mit kranken oder gefährdeten Menschengruppen arbeitest (z.B. im Krankenhaus), mit vielen Leuten in Kontakt kommst (z.B. im Handel) oder mit Lebensmitteln arbeitest (z.B. Gastronomie) kann es verheerende Folgen haben, krank arbeiten zu gehen. 

#hokifyerklärt: Wenn Arbeitnehmerinnen krank zur Arbeit gehen, wird das als “Präsentismus” bezeichnet. Abgeleitet von dem englischen Wort “presenteeism” bedeutet es so viel wie “Anwesenheitszwang”. 

Länger Krank?!

Während du krank bist, braucht dein Körper Ruhe, um sich auszukurieren. Gehst du jedoch arbeiten oder strengst dich an, kann das zu einer Verlängerung oder Verschlimmerung deiner Krankheit führen. Außerdem ist dein Immunsystem geschwächt und du bist demnach anfälliger für andere Krankheiten und Infektionen. Aus der leichten Verkühlung kann so schnell eine ausgewachsene Erkältung werden, die sich über mehrere Wochen hinzieht. Statt also ein paar Tage komplett auszufallen, bist du dann für einen längeren Zeitraum angeschlagen oder musst dann erst Recht in den Krankenstand gehen. Im schlimmsten Fall können sich daraus sogar chronische Krankheiten entwickeln, die deine Gesundheit langfristig einschränken. 

#hokifyexpertentipp: Im Krankenstand stehen dir bis zu 6 Wochen Entgeltfortzahlung zu. Das bedeutet, du musst dir keine Sorgen darum machen, dass du weniger bezahlt wirst oder dein Einkommen vermindert wird, wenn du krank bist. Dafür sorgt deine Sozialversicherung.

Niedrige Produktivität und hohes Fehlerrisiko

Der Kopf brummt, alles fühlt sich an, als wärst du in Watte gepackt und deine Gedanken arbeiten heute irgendwie langsamer. Wenn wir krank sind, können die einfachsten Dinge eine Herausforderung darstellen - nicht nur körperlich (z.B. Stiegen steigen), sondern auch mental. Doch nicht nur das, auch Fehler schleichen sich leichter ein, wenn wir krank, müde oder hungrig sind. Gehst du also krank zur Arbeit, kann das dazu führen, dass du länger brauchst und dir vielleicht Fehler unterlaufen, die du im gesunden Zustand nie machen würdest. 

#hokifyexpertentipp: Diese Situation ist weder für dich noch für deine Arbeitgeberin positiv. Dementsprechend solltest du dich im Zweifelsfall eher krank melden, als dich krank zur Arbeit zu schleppen. 

Diese Fragen solltest du dir stellen

Oft spielt jedoch nicht nur der eigene Gesundheitszustand, sondern auch das Umfeld eine Rolle. Vielleicht fürchtest du, deinen Job zu verlieren oder es gibt niemanden, der dich vertreten kann. In diesen Fällen solltest du trotzdem nicht einfach krank arbeiten gehen, sondern das Gespräch mit deiner Vorgesetzten suchen. Vielleicht gibt es Möglichkeiten, deine Arbeit aufzuteilen oder reduziert aus dem Home Office zu arbeiten, wenn du dich in der Lage dazu fühlst? Um zu entscheiden, ob du arbeiten gehen solltest oder nicht, kannst du dir unter Anderem die folgenden Fragen stellen: 

  • Kann ich sicherstellen, dass ich niemanden anstecke? 

  • Fühle ich mich dazu in der Lage, shoppen/ins Kino/essen zu gehen? 

  • Was würde ich einer Freundin/Kollegin raten, wenn sie in derselben Situation wäre? 

  • Müsste ich Medikamente mit in die Arbeit nehmen, um den Tag durchzustehen? 

Fazit

Krank zur Arbeit zu gehen, bringt im Endeffekt sowohl dir als auch deiner Arbeitgeberin Nachteile. Ansteckungsgefahr für Kolleginnen, hohes Fehlerrisiko und längere Krankheit sind nur einige der möglichen Folgen. Im Zweifelsfall solltest du dich also eher krankmelden, als dich krank zur Arbeit zu schleppen. Im Krankenstand steht dir nämlich trotzdem eine Entgeltfortzahlung zu. 

Ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung von männlichen und weiblichen Geschlechtsformen verzichtet. Alle Personenbezeichnungen sind demnach geschlechtsneutral zu verstehen.

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