Hitzefrei am Arbeitsplatz: Das gilt wirklich!

von Julia Gerstmayer

Aktualisiert: 17.07.2023 Lesedauer: ca 3min

Bauarbeiter bei Hitze

Die Temperaturen klettern über die 30 Grad Celsius und die Sonne brennt vom Himmel: der Sommer kann besonders Menschen mit körperlich anstrengenden Jobs das Leben schwer machen. Doch gibt es ab einer gewissen Temperatur hitzefrei? Und was müssen Arbeitgeberinnen gegen Hitze am Arbeitsplatz tun? Wir haben alle wichtigen Punkte für die heißesten Tage des Jahres zusammengefasst. 

Gibt es in Österreich hitzefrei? 

Grundsätzlich gibt es keine allgemeine Hitzeregelung in Österreich. Das bedeutet, dass du keinen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei hast. In Absprache mit deiner Arbeitgeberin kann aber beispielsweise Zeitausgleich genommen oder Urlaub aufgebraucht werden, um nicht bei der extremen Hitze arbeiten zu müssen. Wirst du von deiner Arbeitgeberin ohne dein Einverständnis nach Hause geschickt, ist das als Dienstfreistellung zu werten und dir dürfen dafür keine Urlaubstage oder Zeitkontingente abgebucht werden. 

Ausnahme für diese Regelung ist die Baubranche: Hier zählt Hitze ab 32,5 Grad Celsius als Schlechtwetter und fällt damit in das Bauarbeiter-Schlecht­wetter­ent­schäd­ig­ungs­ge­setz­. Arbeitnehmerinnen können hitzefrei beantragen und sind bei Zustimmung ihrer Arbeitgeberin vom Dienst freigestellt. In diesem Fall gebühren den Arbeitnehmerinnen 60% des Stundenlohns für die ausgefallenen Stunden (“Sechziger”). 

Gibt es in Deutschland hitzefrei? 

In Deutschland gibt es keine bundesweite Hitzeregelung, die das Recht von Arbeitnehmerinnen auf hitzefrei regelt. Es gibt also auch in Deutschland keinen Anspruch auf hitzefreie Tage bei hohen Temperaturen. 

Steigen die Temperaturen jedoch auf mehr als 26 Grad Celsius am Arbeitsplatz, müssen Arbeitnehmerinnen für Sonnenschutz (z.B. Jalousien, Sonnenschirme, Sonnensegel) sorgen. Bei mehr als 30 Grad müssen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, beispielsweise eine Verschiebung der Arbeitszeiten, Installation von Ventilatoren oder von der Arbeitgeberin zur Verfügung gestellte kühle Getränke. Ab 35 Grad Raumtemperatur ist der Arbeitsplatz ohne Schutzmaßnahmen für Hitzearbeit (z.B. Luftduschen, Hitzeschutzkleidung) nicht als Arbeitsraum geeignet. Das bedeutet jedoch nicht, dass dann automatisch hitzefrei sein muss - eine Verlegung des Arbeitsortes in einen anderen Raum oder das Homeoffice könnte in diesem Fall Abhilfe schaffen. 

Wie heiß darf es auf der Arbeit sein? 

In Arbeitsräumen und Arbeitsstätten muss das Raumklima dem menschlichen Organismus angepasst sein. Das bedeutet, dass die Arbeitgeberin dafür sorgen muss, dass keine “unmenschlichen Verhältnisse” vorliegen: Sonneneinstrahlung muss geblockt werden können, Luftfeuchtigkeit sollte reguliert werden können und im besten Fall lässt sich auch die Temperatur anpassen. Es gibt jedoch kein Recht auf eine Klimaanlage oder anderweitige Temperaturregelungen. 

5 Tipps gegen Hitze am Arbeitsplatz 

Hier kommen 5 Tipps, die dir dabei helfen, die Hitze am Arbeitsplatz zu überstehen. Mehr findest du außerdem in diesem Artikel zu Hitze am Arbeitsplatz und diesem Sommer-Artikel. 

  1. Nachts lüften, tagsüber abschotten:
    Abends vor Feierabend die Fenster zu öffnen, kann dabei helfen, die Raumtemperatur am Arbeitsplatz niedrig zu halten. Untertags sollte direkte Sonneneinstrahlung gemieden werden, beispielsweise durch Jalousien. 

  2. Kleidung anpassen:
    Falls es in deinem Job eine Kleidervorschrift gibt, könnte eine Anpassung schon viel bewirken. Luftige Kleidung kann eine große Erleichterung sein, wenn es um Hitze am Arbeitsplatz geht. Auch Kopfbedeckungen, Sonnencreme und Sonnenbrillen sind wichtig für deinen Schutz, wenn du im Freien arbeitest. 

  3. Ventilatoren und Mini-Klimaanlagen:
    Ventilatoren kühlen die Luft zwar nicht, tragen jedoch zumindest dazu bei, dass die Luft nicht stillsteht. Mini-Klimaanlagen oder Luftkühler sind oft für wenig Geld zu haben und können zumindest zeitweise etwas Abhilfe schaffen. 

  4. Trinken, trinken, trinken:
    Nein, keinen Alkohol. Am besten Wasser, ungesüßte Fruchtsäfte oder Tee. Gefrorenes Obst im Wasser kann für Abwechslung sorgen. Eine Alternative aus wärmeren Ländern ist lauwarmer Tee, weil dieser deinem Körper beim Temperaturausgleich hilft. 

  5. Pausen & Abkühlung zwischendurch:

    Höre auf deinen Körper und mache im Zweifelsfall mehr Pausen als gewöhnlich. Falls möglich, kannst du auch kühle Umschläge nutzen oder dir zwischendurch kaltes Wasser in dein Gesicht und auf die Handgelenke geben. 

Fazit

Hitze macht das Arbeiten schwerer - sowohl körperliche als auch geistige Arbeit. Auch wenn es weder in Deutschland noch in Österreich gesetzliche Regelungen für hitzefreie Tage gibt, müssen Arbeitgeberinnen gewisse Vorkehrungen treffen, um das Raumklima am Arbeitsplatz ertragbar zu halten. Um die Hitze erträglich zu machen, helfen neben viel Trinken und luftiger Kleidung auch Pausen, Sonnenschutz und Ventilatoren. 

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher & weiblicher Sprachformen verzichtet. Alle Personenbezeichnungen sind demnach geschlechtsneutral zu verstehen.

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