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hokify Team

Veröffentlicht am: 09.07.19

Die wichtigsten Tipps und Tricks für geringfügige Jobs - Wie viel darf ich verdienen? Bin ich versichert?

Die geringfügige Beschäftigung bietet seit jeher eine super Möglichkeit das verfügbare Monatsbudget aufzubessern und Berufserfahrung zu sammeln während man noch in Ausbildung ist. Die geringfügige Beschäftigung ist eine Form der Teilzeitarbeit, bringt jedoch gesonderte Rechten und Pflichten mit sich. Seit den 1990er Jahren ist die Anzahl der geringfügig beschäftigten Personen enorm angewachsen und betrifft vorrangig Personen in der Gastronomie und im Handel und der Großteil ist weiblich. Geringfügige Jobs bieten eine super Möglichkeit etwas dazuzuverdienen, jedoch sind dabei einige wichtige Dinge zu beachten, damit es nicht zu Nachzahlungen oder sonstige Probleme kommt. Starten wir zuerst mit der Definition - was ist eine geringfügige Beschäftigung?

Wann ist man geringfügig beschäftigt? 

Man befindet sich in einer geringfügigen Beschäftigung, wenn das monatliche Einkommen die Geringfügigkeitsgrenze von 446,81 Euro brutto nicht überschreitet. Wichtig: Für die Geringfügigkeitsgrenze werden Sonderzahlungen wie Urlaubszuschuss oder Weihnachtsremuneration nicht berücksichtigt, es geht einzig und allein um den Bruttoverdienst pro Kalendermonat. Verdient man monatlich mehr als die Geringfügigkeitsgrenze, gilt man als Vollversichert - unabhängig davon ob man in Teilzeit oder Vollzeit Beschäftigung ist. Unterhalb kannst du sehen, wie sich die Geringfügigkeitsgrenzen in den letzten Jahren verändert haben.

JahrVerdienst pro ArbeitstagVerdienst pro Monat
2019nicht mehr relevant446,81 Euro
2018nicht mehr relevant438,05 Euro
2017nicht mehr relevant425,70 Euro
201631,92 Euro415,72 Euro
201531,17 Euro405,98 Euro

Hinweis:
Mit 2017 wurde die tägliche Geringfügigkeitsgrenze aufgehoben und für die Einstufung der Beschäftigung ist nur mehr die monatliche Grenze relevant. Es ist daher egal, an wie vielen Tagen man arbeitet um ein gewisses Einkommen zu beziehen. Solange der monatliche Bruttoverdienst unterhalb der jährlichen Grenze ist, wird man als geringfügig eingestuft.

Sozialversicherung bei Geringfügiger Beschäftigung

Bei der Sozialversicherung gibt es Unterschiede zwischen vollversicherten und geringfügigen Arbeitnehmer. Eine genaue Auflistung kannst du der Tabelle unterhalb entnehmen. 

Unfallversicherung bei Geringfügigen: Geringfügige Beschäftigte sind unfallversichert und müssen vom Arbeitgeber beim zuständigen Krankenversicherungsträger angemeldet werden.

Krankenversicherung und Pensionsversicherung bei Geringfügigen: In einer geringfügigen Beschäftigung hat man keine Kranken- und Pensionsversicherung. Jedoch wird von der Arbeiterkammer eine freiwillige Pensions- und Krankenversicherung um 63,07 Euro pro Monat (Stand 2019) empfohlen um Anspruch auf Krankengeld zu bekommen und in die Pensionskasse einzuzahlen (nur möglich mit Wohnsitz im Inland). Diese Selbstversicherung muss beim zuständigen Krankenversicherungsträger beantragt werden und vom geringfügigen Beschäftigten selbstständig monatlich eingezahlt werden.

Arbeitslosenversicherung bei Geringfügigen: Bei der Geringfügigen Beschäftigung gibt es keine Arbeitslosenversicherung und kann auch nicht als Selbstversicherung abgeschlossen werden. Unterhalb sehen Sie eine Übersicht der Versicherungen.

VersicherungVerpflichtende VersicherungSelbstversicherung
UnfallversicherungJa
KrankenversicherungNeinFreiwillig möglich
PensionsversicherungNeinFreiwillig möglich
ArbeitslosenversicherungNeinNicht möglich

Hinweis:
Welche Personen sind von der freiwilligen Selbstversicherung ausgenommen:

  • Bezieher von Alterspension
  • Pflichtversicherte auf Grund von anderer Beschäftigung (Bauern, Beamte, etc.)
  • Gesetzliche berufliche Vertreter von freien Berufen (Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Notare, etc.) 
  • Personen die Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehen
  • Personen die Kinderbetreuungsgeld beziehen
  • Personen die Grenzgänger sind.

Achtung Falle: Mehrfachversicherung durch geringfügige Beschäftigung - Nachzahlung der Sozialversicherung

Für viele geringfügige Beschäftigte gibt es zum Ende des Jahres die große Überraschung: Die Sozialversicherung muss nachgezahlt werden, so dass unterm Strich am Ende nicht viel mehr Nettogehalt durch die geringfügige Beschäftigung rauskommt. Wenn man gleichzeitig mehrere Geringfügige Beschäftigungen hat oder Geringfügige Beschäftigung in Kombination mit einer Vollversicherten Beschäftigung ausübt, sind besondere Regeln und Auswirkungen zu beachten - oder du läufst Gefahr einen großen Teil deines Verdienstes am Ende des Jahres an die Versicherung abführen zu müssen.

Wenn gleichzeitig mehrere Geringfügige Beschäftigungen ausgeübt werden und das gesamte monatliche Gehalt die Geringfügigkeitsgrenze von 446,81 Euro (Stand 2019) übersteigt, ist man automatisch Kranken- und Unfallversichert und muss für das gesamte Gehalt einen Beitrag für die Versicherungen abführen. Das gleiche gilt, wenn eine Geringfügige Beschäftigung neben einem vollversicherten Job ausgeübt wird - man ist automatisch Kranken- und Unfallversichert und muss Beiträge entrichten. Kurz gesagt: Überschreitet ihr gesamtes monatliches Bruttoeinkommen (Summe von allen Beschäftigungen) die Geringfügigkeitsgrenze bist du dazu verpflichtet Beiträge für die Kranken- und Pensionsversicherung zahlen.

Warum wirst du nicht im Vorhinein über die Nachzahlung informiert? Wie kann ich die Nachzahlung verhindern?

Einfach gesagt: Weil der Arbeitgeber nicht über alle deine Beschäftigungen Bescheid wissen muss. Nehmen wir an, dass du bei Arbeitgeber A 20 Stunden pro Woche als Bürokaufmann arbeitest und daher vollversichert bist (es werden automatisch die Beiträge für Sozialversicherung abgeführt). Daneben arbeitest du bei Arbeitgeber B 5 Stunden pro Woche geringfügig als Kellner. Arbeitgeber B muss nicht über deine Beschäftigung bei Arbeitgeber A Bescheid wissen und führt daher nur die Beiträge für deine Geringfügige Beschäftigung ab (Beitrag zur Unfallversicherung). Erst am Ende des Jahres prüft die Gebietskrankenkasse deine Beschäftigungen und erst ab diesem Zeitpunkt wirst du über die notwendige Nachzahlung für Kranken- und Pensionsversicherung für dein Geringfügiges Einkommen hingewiesen. Wir empfehlen dir deshalb, dich bei mehreren geringfügigen Beschäftigungen im Vorhinein beim Arbeitgeber zu informieren und gegebenenfalls die notwendigen Beiträge monatlich im Vorhinein durchgeführt werden.

Wie kann ich dazu verdienen ohne Beiträge für die Sozialversicherung abführen zu müssen? 

Ganz einfach - so lange dein monatliches Bruttogehalt in Summe nicht die Geringfügigkeitsgrenze überschreitet, kannst du beitragsfrei dazuverdienen. Sollte jedoch deine Beschäftigung oder die Summe deiner Beschäftigung die Geringfügigkeitsgrenze überschreiten, kannst du nicht beitragsfrei dazuverdienen - für jeden weiteren Verdienst müssen Beiträge für die Sozialversicherung abgeführt werden. Zur Erläuterung haben wir unterhalb 2 unterschiedliche Beispiele angeführt.

Beispiel 1:
Franz arbeitet Teilzeit als Kellner in Wien (Verdienst brutto pro Monat 1.200 Euro, Vollversicherung). Er möchte sein monatliches Budget verbessern und nimmt für 3 Monate einen geringfügigen Job als Promoter an (Verdienst 400 Euro brutto pro Monat). Am Ende des Jahres kommt die große Überraschung und Franz muss für sein Geringfügiges Gehalt einen Beitrag für die Sozialversicherung nachzahlen → Nachzahlung wegen Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenze durch die Kombination der beiden Beschäftigungsverhältnisse (1.200 Euro + 400 Euro = 1.600 Euro) und der Vollversicherung bei seiner Beschäftigung als Kellner.

Beispiel 2:
Martina arbeitet Geringfügig als Call Center Agent neben Ihrem Studium und verdient 300 Euro brutto pro Monat. Ein befreundeter Studienkollege sucht für eine kleine Promotion Tour geringfügige Mitarbeiter für die Sommermonate mit einem monatlichen Gehalt von 300 Euro brutto pro Monat. Trotz zwei getrennt geringfügigen Beschäftigungen überschreitet Martina in Summe für die Sommermonate die Geringfügigkeitsgrenze (300 Euro + 300 Euro = 600 Euro brutto pro Monat) und muss daher am Ende des Jahres für das gesamte Einkommen in diesen Sommermonaten die Beiträge für die Sozialversicherung nachzahlen.


Was ist beim Wechsel von Geringfügigkeit (Teilversicherung) auf Vollversicherung und umgekehrt zu beachten?

Wird während eines geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses das Ausmaß der Arbeitszeit erhöht und somit die Geringfügigkeitsgrenze überschritten liegt ab Beginn des jeweiligen Kalendermonats eine Vollversicherung vor und der Arbeitgeber muss die notwendige Meldung an die Versicherungsträger bekannt geben und die notwendigen Versicherungsbeiträge abführen. Wird eine Vollversicherung auf eine Teilversicherung gewechselt (zB Verdienst davor 1.200 Euro pro Monat, Verdienst nach der Anpassung 400 Euro pro Monat) so endet die Vollversicherung mit dem Ende des Beitragszeitraumes und ab dem Folgemonat gilt die neue Beschäftigungsgruppe (und die angepassten Versicherungsbeiträge).

Gehaltsanspruch und Urlaubsanspruch bei geringfügiger Beschäftigung

Bis auf die bisher genannten Ausnahmen, gelten für Geringfügig Beschäftigte die gleichen Regelungen wie für Vollversicherte Arbeitnehmer - du hast folgende Ansprüche:

  • Pflegefreistellung
  • Urlaub und Abfertigung (5 bzw. 6 Wochen Urlaub pro Jahr)
  • Je nach Kollektivvertrag Sonderzahlungen (Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld - werden bei Berechnung der Geringfügigkeitsgrenze nicht herangezogen)
  • Anspruch auf Mindestlohn laut Kollektivvertrag

Kündigung bei Geringfügiger Beschäftigung

Bis 2017 wurde die Kündigung bei geringfügigen Beschäftigungen (unterhalb eines bestimmten Stundenausmaßes pro Woche, zB 8 Stunden Beschäftigung bei einer Normalarbeitszeit von 38,5 Stunden) gesondert behandelt. Mit 1. Jänner 2018 wurde diese Regelung jedoch aufgehoben und ab sofort gilt für unbefristet geringfügige Beschäftigte eine 6-wöchige Kündigungsfrist (verglichen mit 2 Wochen davor). Diese längere Frist gilt jedoch nicht nur für Arbeitgeber, sondern ebenso für Sie als Arbeitnehmer. Wenn Sie als geringfügiger Arbeitnehmer kündigen gilt für Sie eine Frist von mindestens einem Monat.

Geringfügige Beschäftigung in Wien - Wer arbeitet geringfügig? 

Seit 2008 hat sich die Anzahl der Geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse in Wien von 72.077 um knapp 30 Prozent auf 92.611 (2018) erhöht. Dabei sind in Wien mehr Frauen als Männer in geringfügigen Beschäftigungen - 51.157 (55%) Frauen und 41.454 (45%)  Männer. 

Zusammenfassung - Die Checklist für geringfügige Beschäftigung:

  • Du bist geringfügig beschäftigt, wenn dein gesamter monatlicher Verdienst nicht die Geringfügigkeitsgrenze von 446,81 Euro brutto pro Monat (Stand 2019) übersteigt.
  • Beachte: Bei mehrfachen Anstellungen gilt die Summe aller Einkünfte pro Monat (ohne Sonderzahlungen) als Basis zur Berechnung der Beschäftigungsart.
  • Bei einer geringfügigen Anstellung bist du automatisch Unfallversichert - Jedoch hast du keine automatische Kranken- und Pensionsversicherung. Diese kann jedoch freiwillig als Selbstversicherung abgeschlossen werden.
  • In einer geringfügigen Beschäftigung bist du NICHT Arbeitslosenversichert und du kannst die Versicherung auch nicht freiwillig abschließen.
  • Beachte: Überschreitest du die Geringfügigkeitsgrenze bist du vollversichert und muss gegebenenfalls am Ende des Jahres Teile der Sozialversicherung für die gesamten Einkünfte nachzahlen.
  • Bei einer geringfügigen Beschäftigung hast du wie bei Vollversicherung einen Anspruch auf Pflegefreistellung, Urlaub und Abfertigung, Sonderzahlungen (je nach Kollektiv) und einen Anspruch auf Mindestlohn laut Kollektivvertrag.
  • Die Kündigung bei geringfügigen Arbeitern wird in den Bestimmungen des Kollektivvertrags geregelt, eine Kündigung von Angestellten unterliegt seit 01.01.2019 der normalen 6-Wochen Kündigungsfrist bei Arbeitgeberkündigung. 


Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter.

Verwendete Quellen: