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hokify Team

Veröffentlicht am: 09.07.19

Teilzeitjobs - Wie viel Urlaub, Gehalt und Pension steht dir zu?

Österreich ist das Land der Teilzeitjobs - knapp ein Drittel aller Arbeitnehmer in Österreich sind in einer Teilzeitanstellung. Und der Anteil steigt jedes Jahr an, denn eine Teilzeitanstellung bringt viele Vorteile mit sich: Mehr Zeit für die Familie, mehr Freizeit für Sport, Musik, Reisen und weitere Hobbies. Speziell bei Frauen ist der Anteil der Teilzeiterwerbstätigen mit 47,5% enorm hoch - fast jede zweite Frau in Österreich ist in einem Teilzeitjob. Doch der Teilzeitjob bringt nicht nur Vorteile mit sich. Wir zeigen dir in diesem Artikel, was du bei einer Teilzeitanstellung beachten musst damit du keine böse Überraschung bekommst. 

Wann bin ich in Teilzeitanstellung? 

Eine Teilzeitarbeit bedeutet, dass deine wöchentliche Arbeitszeit kürzer als die gesetzlich vereinbarte Arbeitszeit (40 Stunden pro Woche) oder die Arbeitszeit im Kollektivvertrag ist (38,5 Stunden pro Woche). Möchtest du deine Vollzeitanstellung auf einen Teilzeitjob ändern, musst du die Änderung der Arbeitszeit pro Woche schriftlich mit deinem Vorgesetzten vereinbaren. Bei einer Teilzeitanstellung kann nicht nur die Arbeitszeit individuell festgelegt werden, auch die Anzahl der Arbeitstage kann variieren.

Urlaubsanspruch bei einem Teilzeitjob - Wie viel Urlaub steht dir zu?

Allgemein darf dir einer Teilzeitbeschäftigung kein Nachteil im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten entstehen. Das heißt in weiterer Folge, dass du bei einem Teilzeitjob ganz normalen Urlaubsanspruch in relation zu deiner Arbeitszeit hast. Das heißt du hast ebenso einen Anspruch auf 5 bezahlte Urlaubswochen pro Jahr. 5 Wochen bedeuten bei einer Vollzeitanstellung mit 5 Arbeitstagen ein Anspruch von 25 Urlaubstagen pro Jahr. Bei einem Teilzeitjob wird der Urlaubsanspruch in Relation auf die Arbeitstage angepasst (siehe Beispiel unterhalb). Die Inanspruchnahme des Urlaubs ist bei einer Teilzeitanstellung ebenso wie bei Vollzeit unter Berücksichtigung der betrieblichen Interessen und der Erholung des Arbeitnehmers mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren.

Beispiel Teilzeit:
Du arbeitest 3 Tage pro Woche als Kellner in einer Bar. Dir stehen (nach 7 Monaten in Anstellung) 5 Wochen bezahlter Urlaub zu. In diesem Fall hast du Anspruch auf 15 Urlaubstage (3 Tage pro Woche x 5 Wochen).
Beispiel Vollzeit:
Du arbeitest 5 Tage pro Woche im Ausmaß von 38,5 Wochenstunden als Sekretär in einer Kanzlei. Dir stehen (nach 7 Monaten in Anstellung) 5 Wochen bezahlter Urlaub zu. In diesem Fall hast du Anspruch auf 25 Urlaubstage (5 Tage pro Woche x 5 Wochen).
Der allgemeine Urlaubsanspruch hängt von der Zeit ab, die du schon beim jeweiligen Arbeitgeber beschäftigt bist. Der erste Urlaubsanspruch entsteht nach 2 Wochen Anstellung, der maximale Anspruch von 5 Wochen entsteht ab 7 Monate in Anstellung bei einem Arbeitgeber (siehe Urlaubsanspruch unterhalb). In Österreich hat man gesetzlich Anspruch auf 5 Urlaubswochen - erst ab dem 26. Arbeitsjahr steht dir eine zusätzliche Woche Urlaub pro Jahr zu.
UrlaubsanspruchTeilzeit 1 Tag
pro Woche
Teilzeit 3 Tage
pro Woche

Vollzeit - 5 Tage
pro Woche

Ab 2 Wochen
Anstellung
ca. 1 Urlaubstagca. 1 Urlaubstagca. 1 Urlaubstag
Ab 1 Monat
Anstellung
ca. 1 Urlaubstagca. 2 Urlaubstageca. 2 Urlaubstage
Ab 2,5 Monate
Anstellung
ca. 1 Urlaubstagca. 3 Urlaubstageca. 5 Urlaubstage
Ab dem 7. Monat
Anstellung
5 Urlaubstage
Voller Anspruch
15 Urlaubstage
Voller Anspruch
25 Urlaubstage
Voller Anspruch

Möchtest du deinen Urlaub exakt berechnen? Dazu kannst du folgende Formel verwenden:

Dein aktueller Urlaubsanspruch = Urlaubsanspruch Gesamt / 365 Tage * bereits eingearbeitete Tage beim Arbeitgeber.

Beispiel Urlaubsanspruch Berechnung:
Du bist seit 14 Tagen bei deinem Arbeitgeber beschäftigt und arbeitest 3 Tage pro Woche. Dein Urlaubsanspruch wird wie folgt berechnet: 
Dein aktueller Urlaubsanspruch = 15 / 365 * 14 = 0,56 Urlaubstage. Der Anspruch in der Regel aufgerundet - somit hättest du einen Urlaubsanspruch von 1 Tag.

Weitere Informationen zum Urlaubsanspruch und wie viel Urlaub du bekommst findest du hier in unserem Artikel zum Thema Urlaubsanspruch.

Teilzeitjob und Feiertage - muss ich Feiertage einarbeiten?

Auch hier gilt wiederum die Gleichbehandlung von Vollzeitangestellten und Teilzeitangestellten. Fällt ein Feiertag auf einen vorab bestimmten Arbeitstag, ist der Feiertag vom Arbeitgeber ganz normal zu entlohnen und die entfallenen Stunden müssen nicht eingearbeitet werden.

Gehaltsanspruch und Bezahlung bei Teilzeitanstellung

Ebenso wie beim Urlaubsanspruch, darf Teilzeitbeschäftigten auch beim Gehalt keinerlei Nachteil entstehen. Aus diesem Grund hast du in einem Teilzeitjob genau den gleichen Gehaltsanspruch im Verhältnis zu deinen Aufgaben und Vordienstzeiten (wie im Kollektiv geregelt) anteilsmäßig heruntergerechnet auf deine wöchentliche Arbeitszeit. Die genaue Berechnung siehst du wieder unterhalb in einem konkreten Beispiel.

Beispiel Gehaltsanspruch Vollzeit vs. Teilzeit
Du bist Angestellter im Handel und somit an den Kollektivvertrag für Angestellte und Lehrlinge im Handeln gebunden. In diesem Kollektiv ist die Normalarbeitszeit mit 38,5 Stunden pro Woche festgelegt. Gemäß deiner Vordienstzeiten (5 Jahre) und deiner Aufgaben (Beschäftigungsgruppe C - Bedienung, Überwachung, Kassiervorgang, etc.) lt. Kollektiv hast du für eine Vollzeitanstellung einen Gehaltsanspruch von 1.771,00 Euro brutto pro Monat. Würdest du nun den exakt selben Job als Teilzeitangestellter mit 20 Wochenstunden ausüben, hättest du einen Gehaltsanspruch von 920 Euro brutto pro Monat.

Dein Gehaltsanspruch wird wie folgt berechnet:
Gehaltsanspruch Vollzeitanstellung / Normalarbeitszeit * Deiner Arbeitszeit

Dein Gehaltsanspruch bei 20 Stunden pro Woche wird nun wie folgt berechnet:
1.771 Euro Brutto pro Monat / 38,5 Wochenstunden * 20 Wochenstunden = 920 Euro brutto pro Monat.

Neben deinem Gehaltsanspruch hast du als Teilzeitbeschäftigter ebenso Anspruch auf:

Pensionsanspruch bei Teilzeit - Pensionsfalle und böse Überraschung?

Für die Berechnung der Pensionshöhe werden nach einer Reform bis zum Jahr 2029 die Verdienste von 40 Erwerbsjahren herangezogen. Vor der Reform wurden lediglich die 15 Jahre mit dem besten Verdienst herangezogen. Durch die Ausweitung der Erwerbsjahre steigt natürlich auch das Risiko, dass sich längere Zeiträume mit einer Teilzeitanstellung negativ auf die Pensionshöhe auswirken. 

Doch starten wir zuerst mit der Frage: Ab wann hast du Anspruch auf Alterspension? Wenn du nach dem 1. Jänner 1955 geboren bist müssen für einen Anspruch auf Pension 2 Voraussetzungen erfüllt sein (01.01.2019):

  1. Du hast das Regelpensionsalter erreicht (Frauen mit Vollendung des 60. Lebensjahres, Männer mit der Vollendung des 65. Lebensjahres).
  2. Du hast die Mindestversicherungszeit erfüllt. Dafür müssen mindestens 180 Versicherungsmonate (15 Jahre) vorliegen, von denen mindestens 84 Monate (7 Jahre) auf Grund von Erwerbstätigkeit erzielt wurden. Zur Erwerbstätigkeit zählen zusätzlich auch folgende Zeiten: Bezug von Pflegeteilzeitgeld, Familienhospizkarenz, Versicherung für die Pflege eines nahen Angehörigen ab Pflegestufe 3 sowie die Selbstversicherung bei der Pflege eines Kindes.

ACHTUNG: Erreichst du dein Regelpensionsalter mit einer zu geringen Anzahl an Versicherungszeiten bekommst du einen Abschlag auf deine Pension.

HINWEIS: Das Regelpensionsalter der Frauen wird ab dem Jahr 2024 angehoben und stufenweise dem Regelpensionsalter von Männer angeglichen.

Doch wie viel Pension bekommst du jetzt? Warum ist eine Teilzeitbeschäftigung möglicherweise schlecht für deinen Pensionsanspruch?

Für die Berechnung deines Pensionsanspruchs (der Höhe deiner Pension) wurde biser eine Bemessungsgrundlage herangezogen. Die Bemessungsgrundlage ist ein Durchschnittswert aus allen beitragspflichtigen Einkommen deiner versicherungspflichtigen Erwerbstätigkeiten - vereinfacht gesagt werden deine gesamten Einkommen addiert und ein Durchschnittswert pro Dienstjahr berechnet. Für Zeiten der Kindererziehung wird eine gesetzlich festgelegte Bemessungsgrundlage herangezogen. 

Seit 2014 werden die Pensionen für alle Personen die ab 01.01.1955 geboren sind mit dem neuen System des Pensionskontos berechnet. Man kann sich das Pensionskonto wie ein Sparbuch vorstellen, auf dem alle Teilgutschriften zur Pension jährlich eingetragen werden. Diese Pensionsgutschrift wird prozentual auf Basis des jährlichen Einkommens berechnet. Für alle Versicherungszeiten vor dem 31.12.2013 wurde eine einmalige Kontogutschrift in das “Pensionssparbuch” eingetragen. Um zu verstehen, die das Pensionskonto funktioniert und wie hoch der Unterschied zwischen Teilzeit und Vollzeit ist, haben wir unterhalb ein vereinfachtes Beispiel berechnet.

PersonFranz VollzeitMaria Teilzeit
Alter bei Pensionsantritt
Regelpensionsalter erfüllt
65 Jahre60 Jahre
AnstellungsartVollzeitTeilzeit
Stunden pro Woche38,5 Stunden
pro Woche
20 Stunden
pro Woche
Versicherungszeit40 Jahre =
480 Monate
40 Jahre =
480 Monate
Durchschnittliches Einkommen
pro Monat für 40 Dienstjahre
2.986,00 Euro1.551,17 Euro
Beitragsgrundlage pro Jahr
(14 Gehälter)
41.804,00 Euro21.716,38 Euro
Pensionsgutschrift pro Jahr in
Pensionskonto

(1,78% v. Beitragsgrundlage)
744,11 Euro386,55 Euro
Gesamtgutschrift für 40 Jahre*29.764,40 Euro15.462,00 Euro
Bruttopension pro Monat
(Gesamtgutschrift / 14 Monate)
2.126,03 Euro1.104,43 Euro
*Die Gesamtgutschrift für 40 Dienstjahre ist die Summe aller jährlichen Pensionskontogutschriften (744,11*40 Jahre).
In der Übersicht kann man klar erkennen, dass die Dienstjahre mit einem geringeren Einkommen einen stark negativen Effekt auf die Pensionshöhe haben. Bei Ausübung des gleichen Jobs für 40 Jahre (Annahme ohne Abschläge, etc.) ist die Pension eines Teilzeitbeschäftigten pro Monat um 1.021,60 Euro (48%) pro Monat geringer. Deshalb empfehlen wir, das eigene Pensionskonto im Blick zu behalten damit man beim Pensionsantritt keine böse Überraschung bekommt.

Kündigung und Entlassung bei Teilzeitbeschäftigung

Wie du mittlerweile schon weißt, dürfen Teilzeitbeschäftigte im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten nicht benachteiligt werden. Aus diesem Grund gibt es für TeilzeitmitarbeiterInnen den gleichen Kündigungs- und Entlassungsschutz. Weitere Informationen zur Kündigung und Entlassung findest du in diesem Artikel.

Übersicht: Vorteile und Nachteile einer Teilzeitanstellung

Was sind deine Vorteile:
  • Geringere Steuern durch geringeres Gehalt
  • Teilweise höhere Stundenlöhne
  • Mehr Zeit für Familie und Freunde
  • Bessere Work-Life Balance
  • Flexiblere Arbeitszeiten
Deine Nachteile einer Teilzeitanstellung:
  • Geringeren Pensionsanspruch
  • Niedrigeres Gesamteinkommen
  • Weniger Aufstiegschancen
  • Fehlende Eingebundenheit im Unternehmen
  • Fehlender Kontakt zu Kolleginnen
  • Teilweise höhere Belastung in kurzem Zeitraum

Zusammenfassung Teilzeitanstellung: Was müssen Sie beachten!


  • Teilzeitanstellungen sind nur gültig, wenn sie schriftlich mit dem Arbeitgeber vereinbart wurden - dabei können Stunden und Arbeitstage variieren - Wochenarbeitszeit und Wochentage müssen jedoch schriftlich vereinbart werden.
  • Man befindet sich in Teilzeitbeschäftigung wenn die wöchentliche Arbeitszeit kürzer als die Normalarbeitszeit im Kollektivvertrag (meist 38,5 Stunden) ist.
  • In Teilzeitbeschäftigung hat man den vollen Urlaubsanspruch (in der Regel 5 Wochen) in Relation zu den wöchentlichen Arbeitstagen. Arbeitet man zum Beispiel 3 Tage pro Woche, hat man in Summe 15 Urlaubstage pro Jahr.
  • Fallen Feiertage auf einen Arbeitstag bei Teilzeit, werden diese ganz normal entlohnt und müssen nicht eingearbeitet werden - mehr Infos findest du in unserem Artikel zum Thema Feiertagsruhe.
  • Teilzeitbeschäftigung birgt ein Risiko bei der Berechnung der Pensionshöhe. Durch die geringeren Einkommen wird im neuen Pensionssystem jährlich ein geringerer Beitrag in das Pensionskonto einbezahlt und in Summe kann dadurch nur eine geringere Bruttopension erreicht werden.
  • Bei Kündigung und Entlassung gelten die gleichen Rechte und Pflichten wie in der Vollzeitbeschäftigung.

In Kürze fassen wir dir die Besonderheiten einer Teilzeitanstellung noch in einem kurzen Video zusammen.


Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter.
Verwendete Quellen: